Turf-Geschichten aus Iffezheim
Die Siegerin des ersten offiziellen Galopprennens in Iffezheim war am 5. September 1858 eine Stute namens Amazone im Besitz des Freiherrn von Gemmingen. Sie gewann den Preis vom Schloss Favorite. Dies war allerdings kein besonderes Kunststück, denn Amazone war das einzige Pferd am Start. Amazone gehörte zu den insgesamt nur drei deutschen Pferden, die während des ersten Iffezheimer Meetings an den drei Renntagen liefen.
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Ein Sieg im Alleingang, ein so genannter „walk over“ ist heutzutage nicht mehr denkbar. Bei nur einem Starter würde das Rennen abgesagt. Im 1883 eingeführten Schwarzwald-Rennen, dem heutigen Kronimus-Rennen (seit 1985), gab es jedoch sogar drei Siege im Alleingang: 1887 durch Vici, 1911 durch Orcade und 1929 durch Ladro.
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In der Zeit von 1871 bis 1890 wurde neben der „Badener Rennwoche“ noch ein Oktober-Meeting veranstaltet - mit dem Schwerpunkt auf Offizierssport und einem Großen Armee-Jagdrennen, dem Kaiser Wilhelm I. regelmäßig beiwohnte. Zudem wurde 1871 erstmals ein „Großes Internationales Taubenschießen“ ausgeschrieben, mit Ehrenpreisen von bis zu 6.000 Francs. Das wurde 1882 dann aus Tierschutzgründen gesetzlich verboten.
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Zu den Feierlichkeiten 1883, dem 25-jährigen Bestehen der Internationalen Galopprennen, gehörten auch Hoch- und Weitsprungwettbewerbe für Herrenreiter und Jockeys. Das beste Ergebnis erzielte Mr. W.H. Moore, der vom Sprungbrett über die Schnur 1,46 Meter hoch und ohne Sprungbrett 4,40 Meter weit sprang. Bei den Jockeys war Charles Planner der Beste, der allerdings im 200-Meter-Lauf J. Joyce knapp unterlag.
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Sechs Gruppe-Rennen, an jedem Renntag eines, bietet die Grosse Woche – der Grosse Mercedes-Benz Preis von Baden (Gruppe I), Goldene Peitsche und Darley Oettingen-Rennen (je Gruppe II), Preis der Sparkassen-Finanzgruppe, Fürstenberg-Rennen und Maurice Lacroix-Trophy (je Gruppe III). Drei Jockeys gewannen bislang alle Hauptrennen der Grossen Woche: Walter Held (im Zeitraum 1937 bis 1957), Fritz Drechsler (1951 bis 1970) und Andreas Suborics (1997 bis 2004). Von den aktuellen Jockeys fehlt Andrasch Starke noch die Goldene Peitsche in seiner Sammlung.
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Bei den Trainern haben natürlich die Turflegenden Heinz Jentzsch und Hein Bollow alle Hauptrennen der Grossen Woche abgeräumt. Jentzsch, der in Iffezheim lebt, benötigte dafür 15 Jahre (1961 bis 1976), während Bollow es in zwölf Jahren schaffte. Andreas Wöhler fehlt noch immer die Maurice Lacroix-Trophy, denn er wurde 2002 und 2007 „nur“ Zweiter. Auch Peter Schiergen fehlt noch eine Gruppe-Prüfung: Im Fürstenberg-Rennen stehen lediglich zwei zweite Plätze 2000 und 2004 zu Buche.
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Der 1896 geborene und 1964 gestorbene Otto Schmidt gehört zu den größten seiner Zunft. 2.216 Siege schaffte „Otto-Otto“ in Deutschland und gewann 14 Championate. Mehr Siege hat nur Peter Alafi (2.307) erreicht, der beim Frühjahrs-Meeting 2008 Gast in Iffezheim war. Schmidt stellte während der Grossen Woche 1923 einen wohl einmaligen Rekord auf: An vier Renntagen stieg er 16 Mal in den Sattel, 13 Mal kehrte er als Sieger zurück. Mit Ganelon gewann er dabei sowohl das Fürstenberg-Rennen als auch den Grossen Preis von Baden. Zwei Jahre zuvor hatte Schmidt mit Ossian als erster deutscher Jockey den Badener Grand Prix gewonnen.
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Eine äußert ungewöhnliche Siegesserie schaffte der Schwede Lars Swärd mit seinem Wallach Ormus. Bei fünf Starts in Iffezheim über Hürden gewann das Duo fünf Mal. Swärd war dabei Jockey, Trainer und Besitzer in Personalunion. Die unglaubliche Serie begann 1984 beim Frühjahrs-Meeting im Bäder-Preis, wurde bei der Grosse Woche 1984 im Preis des Murgtals fortgesetzt, wiederholte sich dann 1985. Nach einem Jahr Pause kamen Swärd und Ormus noch einmal nach Iffezheim: 1987 gelang der dritte Sieg im Preis des Murgtals und der fünfte insgesamt. Lohn für die Anstrengung: 115.000 Mark Preisgeld!
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Den ältesten Bahnrekord in Iffezheim hält ein regionaler Volksheld: Garzer aus dem Besitz des Bäckermeisters Alfred Boos aus Sinzheim-Kartung. 1974 gewann Garzer zum zweiten Mal das Bénazet-Rennen über damals noch 1.400 Meter. Mit seinem ständigen Reiter Peter Alafi im Sattel siegte Garzer in 1:22,5 Minuten, eine Zeit, die bis heute nicht unterboten wurde. 46 Starts bestritt der Publikumsliebling, zwölf Mal gewann er – davon fünf Mal in Iffezheim. 1973 siegte er innerhalb von wenigen Tagen zuerst im Oettingen-Rennen und dann in der Goldenen Peitsche. Hinzu kamen noch eine Reihe guter Platzierungen in Iffezheim. Trainiert wurde Garzer allerdings die meiste Zeit in Köln bei Toni Pohlkötter. Dorthin hatte ihn Boos geschickt - nach Meinungsverschiedenheiten mit dem Iffezheimer Trainer Siegfried Gülcher über die beste Distanz des Hengstes.
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Frauen im Rennsattel sind längst keine Seltenheit mehr, doch in großen Rennen auch heute noch immer die Ausnahme: Um so größer war die Aufregung, als 1980 mit Francesca Pflüger erstmals eine Frau in einem Gruppe I - Rennen in Iffezheim, dem Grossen Preis von Baden, mitreiten durfte. Schließlich startete die Amateurrennreiterin gegen internationale Stars wie Steve Cauthen oder Philipp Waldron. Beide landeten übrigens am Ende hinter Pflüger und ihrem fünfjährigen Jabo, der nach langer Führungsarbeit allerdings müde wurde und am Ende Platz acht belegte.
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Der Grosse Preis von Baden ist seit den Anfängen der Internationalen Galopprennen der Saisonhöhepunkt. Der erste Sieger war am 12. September 1858 La Maladetta aus Frankreich. Es dauerte bis 1873, bevor Hochstapler als erstes deutsches Pferd gewann. Drei Mal in Folge holten sich Kincsem von 1877 bis 1879, nachdem sie im Jahr zuvor bereits das Zukunfts-Rennen (heute Maurice Lacroix-Trophy) gewonnen hatte, und Oleander von 1927 bis 1929 den Badener Grand Prix. Sechs Doppelsieger gab es zudem: Espresso (1963 und 64), Marduk (1974/75), Acatenango (1986/87), Mondrian (1989/90), Lando (1993/94) und Tiger Hill (1998/99). Vorjahressieger Quijano könnte in diesem Jahr in diesen Elitekreis aufsteigen und es seinem Vater Acatenango gleichtun.
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So alt wie die Galopprennen ist auch der Preis der Stadt Baden-Baden, der seit 2001 allerdings als Coolmore Stud-Baden-Baden Cup gelaufen wird. Das irische Coolmore Stud ist die wohl erfolgreichste Vollblutzucht der Welt, seine Dominanz stellte es erst kürzlich beim Royal Ascot-Meeting mit vier Gruppe I-Siegen unter Beweis. Den groß gefeierten ersten Iffezheimer Sieg in dem Rennen gab es 2005, als der von Werner Hefter betreute Mohandas für den Stall Donna erfolgreich blieb.
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Fünf Siege an einem Tag – das gelang in Iffezheim bisher nur Jockey Lennart Hammer-Hansen. Am 26. Mai 2002 gewann der damals 29-jährige „Lenny“ auf Whoop of Victory, L’aspect, Lo Fino, Davignon und Donasita. Für seine Besitzer verdiente er an diesem Tag 48.200 Euro, denn bei seinen sieben Starts sprang noch ein dritter Rang heraus. Insgesamt schaffte Hammer-Hansen zehn Siege während des Meetings und stellte damit den Rekord von Lutz Mäder aus dem Jahre 1991 ein.