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150 Jahre Internationale Galopprennen Baden-Baden Die Geschichte der Internationalen Galopprennen Baden-Baden reicht zurück bis ins Jahr 1858. Aus Iffezheim wurde der bekannteste Rennplatz Deutschlands und der Grosse Preis von Baden als Saisonhöhepunkt weist das höchste internationale Renommee aller deutschen Rennen auf. Partnerschaften mit der Japan Racing Association und den Rennbahnen in Rom, Meran, Vichy sowie dem australischen Victoria Racing Club unterstreichen die internationale Werstschätzung. Baden-Baden gehört seit 2007 zur europäischen Rennserie „Le Défi du Galopp“. Der Grosse Preis von Baden war von 2000 bis zum Ende der Serie 2006 Teil der World Racing Championships, in der weltweit bekannte Rennen vertreten waren.
Der Internationale Club veranstaltet drei Meetings im Jahr, die rund 150.000 Besucher anlocken. Das Frühjahrs-Meeting im Mai umfasst sechs Renntage mit vier Gruppe-Rennen, die Grosse Woche Ende August / Anfang September hat je ein Gruppe-Rennen an jedem der sechs Renntage und das dreitägige Sales & Racing Festival im Oktober bietet drei Gruppe-Rennen. Zu jedem Meeting findet auch eine Vollblutauktion der Baden-Badener Auktionsgesellschaft in Iffezheim statt. Sportlich und wirtschaftlich ist der Internationale Club die Nummer Eins in Deutschland.
Attraktion für den Adel gesucht Dies alles hätte man sich sicher nicht erträumen können, als 1858 unter der Egide der französischen Société Sportive d’Encouragement das erste Meeting ausgeschrieben wurde. Auf drei Renntage – am 5., 8. und 12. September – wurde es anberaumt. Zwölf Flachrennen und drei Rennen über Hürden wurden ausgeschrieben. Der Grund für die Schaffung der Rennen ist einfach: Edouard Bénazet, der 1848 nach dem Tod seines Vaters Jaques Bénazet die Spielbank in Baden-Baden übernommen hatte, suchte nach weiteren Attraktionen, um den europäischen Adel und die Spieler in den Schwarzwald zu locken. Er ließ die prunkvollen Spielsäle im Kurhaus bauen, schuf das Theater am Goetheplatz.
1850 ließ Bénazet die „chasse a courre“, die Parforcejagd mit Hunden, wieder aufleben und holte dafür extra Schweißhunde aus Frankreich. Zwischen der Jagd und den Pferderennen besteht seit jeher eine enge Verbindung und so erweiterte Bénazet 1858 die Unterhaltungsmöglichkeiten der Badener Gäste tagsüber, bevor es abends ins Casino ging. Vor den Toren Baden-Badens wurde in Iffezheim ein geeignetes Areal gefunden. Für 300.000 Francs entstand eine schon damals vorbildlich angelegte Rennbahn mit drei repräsentativen Zuschauertribünen. Am 5. September 1858 ging es los, das erste Rennen, der Preis vom Schloss Favorite, wurde von Amazone im Besitz des Freiherrn von Gemmingen gewonnen – keine besondere Leistung, denn die Stute lief alleine ohne Konkurrenz.
Dennoch hat der erste Renntag beeindruckt, wie in den H. C. Voglerschen „Blätter über Pferde und Jagd“ nachzulesen war: „Es war zu erwarten, daß das in hiesiger Gegend völlig neue Schauspiel eines Pferderennens, sowie der ungewöhnliche Aufwand, mit welchem die Rennbahn, die Gebäulichkeiten und alles, was dazugehört, hergestellt worden war, eine gewaltige Menschenmenge herbeiziehen werde. Diese Erwartung ist nicht nur in Erfüllung gegangen, sondern womöglich noch übertroffen worden. Schon am Tage vorher waren in der Stadt, selbst für schweres Geld, weder Pferde noch Wagen zu bekommen.“
Und an weiterer Stelle hieß es: „Das Dorf Iffezheim hatte sich reich mit Kränzen und Fahnen geschmückt. Die Pausen wurden durch vortreffliche Militär-Musik ausgefüllt; auch herrschte eine Ruhe und Ordnung, die musterhaft genannt werden müssen und alle Anerkennung verdienen.“ Höhepunkt des ersten Meetings war am 12. September 1858 der mit 14.000 Francs dotierte Grosser Preis von Baden. Acht Starter liefen, darunter auch Verzug in deutschem Besitz, der allerdings keine Chance gegen die französischen Vollblüter besaß. Es siegte die dreijährige Stute La Maladetta im Besitz von A. Lupin.
Französische Pferde dominieren in den Anfangsjahren Die Franzosen beherrschten die Rennen in Iffezheim, die eine rasche Entwicklung nahmen. 1860 wurde das Meeting auf vier Tage erweitert, 1862 war man in Deutschland der Rennplatz mit den höchsten Rennpreisen (rund 56.000 Mark). Doch mit dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gab es die erste große Krise. 1870 fielen die Rennen erstmals aus, in den beiden folgenden Jahren gab es nur „Schrumpf-Meetings“ ohne französische Teilnahme mit dünnen Feldern. Mit der Schließung der Spielbank 1872, die wesentlich zu den Rennen beisteuerte, schien das Ende gekommen.
Doch in der Krise trat der Internationale Club auf den Plan. Auf Initiative von Fedor André, dem rennreitenden Chefredakteur des „Sporn“, wurde ein Rettungsplan in Form einer Aktiengesellschaft entworfen. Auf deren Basis konstituierte sich dann am 26. November 1872 der Internationale Club, bestehend aus Turf-Persönlichkeiten aus Deutschland, der Donau-Monarchie, England und Russland. Die eigentlichen Gründer waren Fürst Carl Egon zu Fürstenberg, Landgraf Friedrich von Hessen, der Herzog von Hamilton, Fürst Hugo zu Hohenlohe-Oehringen, Fürst Nicolaus Gagarine, Fürst Menchikoff, Graf Hugo Henckel von Donnersmarck senior und Graf Nicolaus Esterhazy. Ziel des Clubs bis heute: „Die Veranstaltung und Hebung der Pferderennen in Iffezheim unter Wahrung ihres internationalen Charakters“.
Erster Präsident wurde der zunächst auf drei Jahre gewählte Fürst Carl Egon zu Fürstenberg, der 1884 aus gesundheitlichen Gründen zurück trat. Erster Generalsekretär war Alfred Weih, der allerdings bereits 1873 ins Städtische Kur-Komitee wechselte. Als Clubhaus wurde das ehemals Rothschildsche Palais in der Lichtentaler Allee in Baden-Baden erworben. Die erste Veranstaltung unter der Regie des Internationalen Clubs war am 1. Mai 1873 ein Tag mit vier Herrenreiten. Das erste Galopp-Meeting folgte im August. Und hier siegte erstmals mit Hochstapler im Besitz von Graf Johann Renard ein deutsches Pferd.
Die ungarische „Wunderstute“ Kincsem Aus rennsportlicher Sicht gehörten die 70er Jahre des 19. Jahrhunderts der ungarischen Wunderstute Kincsem. In 54 Rennen blieb die Stute ungeschlagen, dreimal in Folge von 1877 bis 1879 gewann sie den Grossen Preis von Baden, allerdings beim dritten Versuch erst im Entscheidungslauf, nachdem Princes Giles I. im „toten Rennen“ mit Kincsem am Zielpfosten vorbeistürmte. Drei Siege im Grand Prix, das schaffte nach ihr nur noch Oleander 1927 bis 1929. Nach beiden Pferden ist auf der Iffezheimer Tribüne deshalb je ein Turm benannt.
Das 25-jährige Bestehen der Rennen 1883 wurde groß gefeiert. Das Jubiläumsprogramm dehnte sich über Wochen aus - Diners, Konzerte, Bälle, Theatervorstellungen, Picknicks, Korsofahrten mit Kutsche, Schnitzeljagden, Bauernrennen und Kostümfeste lösten einander ab. Ein Zeitgenosse schrieb über Baden-Baden: „Die Stadt hat nie einen ähnlichen Zufluß von Fremden erlebt. Nachtquartiere und Betten steigen im Preise. Die Kaufläden werden täglich bis auf die letzten Vorräte ausgeleert. Bei gewissen Gelegenheiten wird um einen kühlen Trunk gekämpft wie unter Verdurstenden.“
Aber der Gürtel musste bald wieder enger geschnallt werden. Das 1871 eingeführte Oktober-Meeting vor allem für Offiziere und Herrenreiter musste 1891 wieder abgeschafft werden. Zur Jahrhundertwende hatte sich die Kassenlage des Clubs wieder gebessert und man investierte 45.000 Mark in eine Berieselungsanlage. Die Vermögenslage gestaltete sich jedoch schnell erneut kritisch, weil sich die deutschen Rennställe immer mehr zurückzogen und den ausländischen Gästen das Feld überließen. Das sorgte für empfindliche Rückgänge bei den Wettumsätzen. Der Aufschwung kam 1905 in Person des Großherzogs Friedrich I. von Baden. Seine Anwesenheit sorgte für einen Massenansturm bei den Rennen und er hatte auch Anteil daran, dass die Totalisatorsteuer gesenkt sowie Gönner und Mäzene der Veranstaltung wieder großzügiger wurden.
Sieben Jahre Pause wegen des Krieges Bis zum Ersten Weltkrieg ging es aufwärts, 1912 wurden die Große Sattelplatztribüne, das Waagegebäude und einiges mehr für rund eine halbe Millon Mark gebaut. Doch nach 1913 war erst einmal für sieben Jahre Schluss und es ging 1921 nur sehr mühsam wieder los. Entscheidenden Anteil an der Wiederbelebung der Rennen nach den Kriegswirren hatten Club-Präsident Fürst Herrmann von Hatzfeldt-Wildenburg und Richard Haniel: 1921 fanden wieder vier Renntage statt, der Grosse Preis von Baden wurde von Ossian mit Otto Schmidt im Sattel gewonnen. Er war der erste deutsche Jockey, der im Grand Prix siegte, und die „Otto-Otto“-Rufe sollten noch oft in Iffezheim zu hören sein.
Trotz Weltwirtschaftskrise, steigender Arbeitslosigkeit und politischer Instabilität ging es bei den Rennen erst einmal aufwärts. 1933, das Jahr der Machtergreifung durch Hitler, war für Baden-Baden wichtig, weil die Spielbank nach fast 60 Jahren wieder eröffnet wurde. 1933 holte sich Alchimist den Grossen Preis, der als Vater der für die deutsche Zucht so wichtigen „Wunderstute“ Schwarzgold in die Turfgeschichte eingehen sollte. 1939 kurz vor dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht nach Polen gewann der Zoppenbroicher Tollius den Grossen Preis in Iffezheim.
1940 fielen die Rennen aus, 1941 gab es ein Meeting mit vier Tagen, doch von 1942 bis 1944 siedelte der Iffezheimer Turf nach Berlin-Hoppegarten um. Nur mühsam ging es nach dem Zweiten Weltkrieg weiter. Die berittenen Truppenteile der Franzosen hatten sich auf der Rennbahn niedergelassen. Die „Société Française des Courses en Allemagne“ veranstaltete 1947 die ersten Offiziersrennen. Als deutscher Verbindungsmann agierte der General a.D. Walter Krüger auf Vorschlag des Grafen Spreti, der 1947 den Vorsitz des „Rennclub Baden-Baden“, wie der Internationale Club sich kurzzeitig umfirmiert hatte, übernommen hatte. 1948 gab es einen Preis von Iffezheim, den Der Löwe aus dem Traditionsgestüt Röttgen gewann. Im Oktober 1949 wurde die Beschlagnahme der Rennbahn aufgehoben und der Internationale Club trat wieder auf den Plan.
1951 ging es wieder weiter Dank der Hilfe durch die Stadt und die Spielbank läutete am 24. August 1951 wieder die Startglocke. In der örtlichen Presse stand zu lesen: „Wer in diesen Hochsommertagen zur Rennbahn des Internationalen Clubs einen Spaziergang macht, der staunt, wie hier wieder nach all den unerfreulichen Tagen der Nachkriegszeit ein Schmuckkästchen einer deutschen Rennbahn entstanden ist.“ Von Beginn an waren die Franzosen wieder mit dabei, doch es war der Walfrieder Baal, der 1954 die Turfwelt verblüffte: Zuerst gewann er die Goldene Peitsche und wenige Tage danach über die doppelte Distanz den Grossen Preis von Baden, ein Kunststück, das sich wohl nie wiederholen wird. 1958 – 100 Jahre nach der Gründung der Rennen – siegte allerdings passenderweise der französische Gast Dushka, der perfekte Brückenschlag zu den Anfängen der Internationalen Galopprennen Baden-Baden.
Die Zeit von 1958 bis 1991 prägte die Familie zu Oettingen-Wallerstein, zuerst Fürst Eugen, ab 1967 Fürst Carl Friedrich als Präsident des Internationalen Clubs. Zum 100-jährigen Bestehen des Rennvereins 1972 wurde das Frühjahrs-Meeting im Mai eingeführt, fünf Jahre später kam das Juni-Meeting dazu, und beide flossen 1985 in ein sechs Renntage umfassendes Meeting zusammen. 1976 wurde die Club-Tribüne neu gebaut, die 2004 der Bénazet-Tribüne weichen musste.
1991 verstarb Carl Friedrich Fürst zu Oettingen-Wallerstein, zwei Jahre zuvor hatte er sein Präsidentenamt an Hartmann Freiherr von Richthofen abgegeben. Mit Baron von Richthofen schloss sich wieder ein Kreis, denn er war auch gleichzeitig der geschäftsführende Gesellschafter der Spielbank Baden-Baden, bevor das Land Baden-Württemberg die Casinos verstaatlichte. Mit den Rennen ging es aufwärts, der Höhepunkt aus Umsatzsicht war 1994 erreicht. An den zwölf Renntagen von Frühjahrs-Meeting und Grosse Woche wurden insgesamt 48,9 Millionen Mark verwettet, Zahlen, von denen der Club und der Rennsport heute nur träumen können.
Durch Drittvermarktung die Rennen stärken Mit ein Grund für den Wettboom war die Präsenz des Sports im Fernsehen mit der „Telewette“, zuerst bei SAT1, dann bei n-tv. Doch die Zeiten des Umsatzwachstums endeten bereits 1995. Mit dem Aufkommen des Wettens im Internet floss immer mehr Geld an den Rennvereinen vorbei. 2007 betrug der Wettumsatz in Iffezheim bei 15 Renntagen nur noch 9,085 Millionen Euro. Dem Rennverein verbleibt davon nur gut ein Viertel, um seine Meetings zu finanzieren. Diese Entwicklung ist eine große Herausforderung für den Internationalen Club, dessen Geschicke seit 2003 Bernhard Prinz von Baden leitet, dessen Familie den Galopprennen in langer Tradition verbunden ist.
Aber auch in schwierigen Zeiten wird in die Zukunft investiert. Die 2004 gebaute Bénazet-Tribüne ermöglichte die Einführung des Sales & Racing Festivals im Oktober und sie bietet nicht zuletzt den Sponsoren großer Rennen eine bessere Plattform zur Kundenbetreuung. Zudem ist die Tribüne wesentlicher Bestandteil des Konzeptes, eine höhere Ausnutzung des Rennplatzes durch Drittveranstaltungen wie Open Air-Konzerte, Messen, Firmen- und Privatfeiern zu erreichen. Dadurch will der Rennverein die Einnahmebasis verbessern, um auch noch in 150 Jahren Internationale Galopprennen Baden-Baden auf dem Rennplatz Iffezheim veranstalten zu können.
PETER MÜHLFEIT
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